Ein Einkäufer sucht im Shop seines Lieferanten nach einem Kugelhahn und tippt die Nummer ein, die auf seinem Bestellvorschlag steht: K-88 4711/2. Diese Zeichenkette stammt aus seinem eigenen Warenwirtschaftssystem und existiert im Katalog des Lieferanten nicht. Der Shop liefert null Treffer, der Einkäufer greift zum Telefon, und die Bestellung landet wieder als Anhang in einer E-Mail. Dieser Artikel zeigt, wie Kundenartikelnummern aus dem ERP so in den Shop kommen, dass die Suche sie findet, der Beleg sie trägt und kein anderer Kunde sie zu sehen bekommt. Wer ERP und Shop im Großhandel verbindet, entscheidet an genau dieser Stelle, ob der Onlinekanal den Einkauf entlastet oder ihm eine zweite Nummernwelt aufzwingt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Artikel trägt im Geschäftskundenhandel mindestens drei Nummern: die des Lieferanten, die des Kunden und die des Herstellers.
- Der Katalogstandard BMEcat führt die Kundenartikelnummer als eigenes Feld, mehrfach belegbar und mit 50 Zeichen (BME e.V.) länger als die eigene Artikelnummer.
- Die Suche scheitert selten am Suchmodul, sondern an einem Index, der die Fremdnummern gar nicht enthält.
- Kundenartikelnummern sind kundengebunden: Sie gehören in eine Zuordnungstabelle, nicht als Attribut an den Artikelstamm.
- Auch die elektronische Rechnung kennt das Feld: BT-156 (OpenPeppol) trägt die vom Käufer vergebene Kennung.
- Ohne Rückweg in Warenkorb, Auftragsbestätigung, Lieferschein und Rechnung bleibt die Nummer eine Suchhilfe statt eines Prozessmerkmals.
Drei Nummern für dasselbe Teil
Im Geschäftskundenhandel hat ein Artikel selten nur eine Identität. Der Lieferant führt seine Hausnummer, weil Lager, Preisfindung und Kommissionierung daran hängen. Der Hersteller vergibt eine Typnummer, meist ergänzt um eine Europäische Artikelnummer. Und der Einkäufer führt eine dritte Nummer, weil sein Warenwirtschaftssystem den Artikel unter einem eigenen Schlüssel kennt, der zu seinen Stücklisten, Kostenstellen und Bestellvorschlägen passt. Diese dritte Nummer ist die Kundenartikelnummer. Sie ist die einzige der drei, die ein Einkäufer ohne Nachschlagen aus dem Kopf oder vom eigenen Bildschirm ablesen kann, und deshalb ist sie die, die er in das Suchfeld tippt.
Der Katalogstandard BMEcat bildet diese Dreiteilung seit Langem ab. Die Artikelnummer des Lieferanten steht dort als Pflichtfeld mit 32 Zeichen (BME e.V.) und ist laut Spezifikation für die Bestellung maßgeblich. Die Nummer des einkaufenden Unternehmens hat mit 50 Zeichen (BME e.V.) mehr Platz als die eigene und darf mehrfach belegt werden. Selbst die Warengruppe aus dem ERP des Kunden hat ein eigenes Element, wenn auch nur mit 10 Zeichen (BME e.V.). Wer diese Struktur im Shop nicht nachbaut, presst drei Nummernwelten in ein Feld und verliert die Zuordnung, sobald zwei Kunden denselben Artikel unterschiedlich benennen. Wie diese Felder aus der Warenwirtschaft in den Shop gelangen, entscheidet über die spätere Suchqualität.
Hausnummer des Lieferanten
Pflichtfeld mit 32 Zeichen, maßgeblich für Bestellung, Bestand und Preisfindung. Sie bleibt der technische Schlüssel im Shop, auch wenn der Kunde sie selten zu Gesicht bekommt.
Kundenartikelnummer
Mehrfach belegbares Feld mit 50 Zeichen. Sie gehört genau einem Kunden, kann sich je Werk oder Standort unterscheiden und ändert sich, wenn der Kunde seine Stammdaten umbaut.
Hersteller- und EAN-Nummer
Für dasselbe Nummernfeld kennt der Standard vordefinierte Typen, darunter die Europäische Artikelnummer mit 14 Zeichen (BME e.V.). Sie taugt als Brücke zwischen Systemen, ersetzt die Kundennummer aber nicht.
Was der Katalogstandard seit 1999 vorgibt
Die Kundenartikelnummer ist kein Sonderwunsch einzelner Großkunden, sondern seit einem Vierteljahrhundert Bestandteil des Austauschformats. Version 1.0 des Standards wurde im November 1999 in Frankfurt verabschiedet (BME e.V.); die heute gebräuchliche Fassung 2005.2 führt das Feld als Element BUYER_PID innerhalb der PRODUCT_DETAILS – der ältere Zweig ARTICLE_DETAILS aus Version 1.2 trägt an derselben Stelle noch BUYER_AID. Die englische Ausgabe derselben Spezifikation beschreibt es wortgleich: optional, mehrfach belegbar, mit einer Länge von 50 Zeichen (BME e.V.). Für Häuser, die international liefern, heißt das: Es braucht kein zweites Konzept je Markt, sondern eine Umsetzung, die beide Sprachfassungen desselben Standards bedient.
Entscheidend ist das Typ-Attribut am Feld. BMEcat unterscheidet, um welche Art von Nummer es sich handelt, und lässt neben den vordefinierten Werten benutzerdefinierte Typbezeichnungen von 1 bis 50 Zeichen (BME e.V.) zu. Damit rechnet der Standard ausdrücklich mit mehr als einer Fremdnummer je Artikel: eine für den Zentraleinkauf, eine für das Werk, eine für die Instandhaltung. Genau diese Mehrfachbelegung fällt beim Import gern unter den Tisch, weil das Zielfeld im Shop einwertig angelegt wurde. Wer das Mapping zwischen ERP und Shop nicht von vornherein auf eine n-zu-m-Beziehung auslegt, verliert ab der zweiten Nummer stillschweigend Daten.
<PRODUCT mode="new">
<SUPPLIER_PID type="supplier_specific">40-2517-KH25</SUPPLIER_PID>
<PRODUCT_DETAILS>
<DESCRIPTION_SHORT>Kugelhahn DN 25, Messing, PN 16</DESCRIPTION_SHORT>
<INTERNATIONAL_PID type="ean">40123456789012</INTERNATIONAL_PID>
<BUYER_PID type="buyer_specific">K-88 4711/2</BUYER_PID>
<BUYER_PID type="werk_nord">4711-N</BUYER_PID>
<ERP_GROUP_BUYER>ARM-2500</ERP_GROUP_BUYER>
</PRODUCT_DETAILS>
</PRODUCT>Die Nummer gehört an die Beziehung, nicht an den Artikel
Warum die Shopsuche an Fremdnummern scheitert
Die interne Suche ist im Handel eine gemessene Schwachstelle. Mehr als die Hälfte der bewerteten Onlineshops unterstützt die Suchbedürfnisse der Nutzer nicht angemessen: 56 Prozent (Baymard Institute) fallen im Benchmark über mehr als 170 untersuchte Shops durch. Selbst die einfachste Form, die exakte Eingabe eines Produktnamens oder einer Modellnummer, bereitet 12 Prozent (Baymard Institute) der Shops Probleme. Und sobald Abkürzungen oder Sonderzeichen im Suchbegriff stehen, also genau das, was jede Artikelnummer mitbringt, hat mit 54 Prozent (Baymard Institute) mehr als jeder zweite Shop Schwierigkeiten.
Im Geschäftskundenhandel kommt eine vierte Schwierigkeit hinzu, die es im Endkundengeschäft so nicht gibt: Der gesuchte Begriff steht überhaupt nicht im Katalog. K-88 4711/2 ist kein Tippfehler und kein seltener Ausdruck, sondern eine Zeichenkette, die im Datenbestand des Lieferanten schlicht fehlt, solange niemand sie dort hinterlegt hat. Kein Synonymwörterbuch und keine Tippfehlertoleranz findet einen Wert, der im Index nicht vorkommt. Die Aufgabe ist damit keine Suchaufgabe, sondern eine Datenaufgabe, und sie wird im Produktdatenfluss aus PIM und ERP gelöst, bevor das Suchmodul überhaupt beteiligt ist.
- Trennzeichen verschluckt. Die Nummer steht als K-88 4711/2 im ERP und als K884711-2 im Katalog. Ohne Normalisierung auf eine gemeinsame Suchform trifft die Eingabe nichts.
- Nur ein Zielfeld. Der Shop führt einen Wert je Artikel, der Kunde aber je Werk eine eigene Nummer. Ab dem zweiten Wert überschreibt der Import den ersten.
- Nummer nicht im Index. Das Feld existiert in der Datenbank, wird vom Suchindex aber nicht eingelesen, weil es nach dem ersten Aufbau ergänzt wurde.
- Falsche Gewichtung. Die Fremdnummer trifft, landet aber hinter zwanzig Volltexttreffern aus Beschreibungstexten und wird nicht gesehen.
- Kein Rückweg. Die Suche findet den Artikel, im Warenkorb steht danach wieder die Hausnummer, und der Einkäufer verliert die Zuordnung genau dort, wo er sie braucht.
- Sichtbar für alle. Die Fremdnummer wandert in die öffentliche Artikelbeschreibung und taucht damit in fremden Suchergebnissen auf.
Das Datenmodell im Shop
Tragfähig ist eine eigene Tabelle mit fünf bis sechs Spalten: Kundennummer, Artikelnummer des Lieferanten, Fremdnummer, Typ, Gültigkeitszeitraum und Quelle. Der Typ trennt Zentraleinkauf, Werk und Instandhaltung voneinander. Die Gültigkeit erlaubt einen Wechsel zum Stichtag, ohne die alte Zeile zu löschen, was für Rückfragen zu abgeschlossenen Aufträgen wichtig bleibt. Und die Quelle hält fest, ob die Zeile aus dem ERP, aus einem Katalogimport oder aus einer Bestellhistorie stammt. Wer neben den Nummern weitere Zusatzangaben je Artikel führen muss, etwa die Importdaten zur CBAM-Frist 2026, wendet dieselbe Trennung zwischen Artikelstamm und Zuordnung an. Diese letzte Spalte wirkt überflüssig, bis der erste Konflikt auftritt: Dann entscheidet sie, welcher Wert gewinnt, ohne dass jemand raten muss.
Für die Suche wird aus dieser Tabelle ein zusätzlicher Indexteil gebaut, der je Kunde gefiltert ist. Technisch ist das entweder ein mehrwertiges Feld am Artikeldokument mit angehängter Zugriffsprüfung oder ein eigener Indextyp, der ausschließlich Treffer des angemeldeten Kunden liefert. Beide Wege funktionieren; entscheidend ist, dass die Filterung in der Abfrage sitzt und nicht in der Anzeige. Eine Nachfilterung im Frontend verrät die ungefilterte Trefferzahl, und die Trefferzahl verrät, welche Nummernkreise andere Kunden führen. Bei großen Katalogen gehört diese Logik in eine Middleware zwischen ERP und Shop, damit der Shop nur den fertigen Index sieht und die Rechenlast nicht im Bestellprozess landet.
{
"customer_no": "10042",
"supplier_sku": "40-2517-KH25",
"cross_references": [
{ "type": "zentraleinkauf", "value": "K-88 4711/2", "valid_from": "2026-01-01", "source": "erp" },
{ "type": "werk_nord", "value": "4711-N", "valid_from": "2026-04-01", "source": "bmecat" }
],
"search_tokens": ["k884711 2", "k 88 4711 2", "4711n"],
"visibility": "customer_only"
}Sichtbarkeit, Rechte und Mandanten
Eine Kundenartikelnummer ist eine Angabe über den Kunden, nicht über den Artikel. Sie verrät, wie ein Betrieb sein Sortiment gliedert, welche Werke er beliefert und gelegentlich, für welches Projekt ein Teil bestellt wird. Sie gehört deshalb hinter die Anmeldung und in denselben Rechtekreis wie Preise und Sortimente. Wer die Freischaltung von Kundensortimenten bereits sauber gelöst hat, hängt die Nummern an dieselbe Prüfung an, statt einen zweiten Mechanismus daneben zu stellen, der später eigenständig verrutschen kann.
Drei Grenzfälle sind es wert, vorab entschieden zu werden. Erstens der Konzern mit mehreren Bestellorganisationen: Dieselbe Nummer kann in zwei Werken für zwei verschiedene Artikel stehen, dann muss der Typ die Auflösung tragen und die Trefferliste beide Kandidaten zeigen. Zweitens der Handelsvertreter, der im Namen mehrerer Kunden bestellt und je Sitzung den Kontext wechselt; hier hängt die Sichtbarkeit am gewählten Kunden, nicht am Benutzerkonto. Drittens der Gastzugang ohne Anmeldung, der Fremdnummern gar nicht sehen darf, weil es keinen Kunden gibt, dem sie zuzuordnen wären. Alle drei Fälle sind Rechtefragen, keine Suchfragen, und sie werden in der Abfrageschicht beantwortet.
| Situation im Einkauf | Ohne Kundenartikelnummer | Mit Kundenartikelnummer |
|---|---|---|
| Suche nach der eigenen Nummer | Null Treffer, Rückfall auf Telefon oder E-Mail | Treffer auf den passenden Artikel |
| Bestellliste aus dem ERP hochladen | Übersetzung Zeile für Zeile von Hand | Zuordnung über die Fremdnummer beim Import |
| Auftragsbestätigung prüfen | Abgleich über Bezeichnungen und Mengen | Abgleich über die eigene Nummer je Position |
| Wareneingang buchen | Nachschlagen im eigenen Artikelstamm | Nummer steht auf dem Lieferschein |
| Rechnung verbuchen | Zuordnung der Positionen von Hand | Feld BT-156 trägt die Nummer des Käufers |
| Lieferant tauscht den Artikel | Kunde bemerkt es beim Wareneingang | Nachfolgeartikel hängt an derselben Fremdnummer |
Woher die Nummern kommen
Vier Wege sind im Alltag üblich, und die meisten Häuser brauchen mehr als einen. Der erste ist der Kundenstamm im ERP: Viele Systeme führen die Fremdnummer als Feld an der Kunden-Artikel-Beziehung, weil sie dort ohnehin für die telefonische Auftragserfassung gepflegt wird. Der zweite ist der Katalogaustausch: Der Kunde liefert seine Nummern in der Katalogdatei zurück, der Lieferant spielt sie ein. Der dritte ist die Bestellhistorie: Aus zwei Jahren Aufträgen lässt sich ableiten, unter welcher Nummer ein Kunde einen Artikel geführt hat, auch wenn diese Ableitung eine Bestätigung braucht. Der vierte ist die Selbstpflege im Kundenkonto, bei der der Einkäufer seine Nummern selbst hinterlegt oder als Datei hochlädt.
- Bestand erheben. Zählen, wie viele Kunden überhaupt eigene Nummern führen und wie viele Artikel je Kunde betroffen sind. Aus dieser Zahl folgt die Bauform, nicht umgekehrt.
- Führende Quelle festlegen. Je Kundengruppe eine Quelle bestimmen und die Rangfolge schriftlich festhalten, bevor der erste Import läuft.
- Normalisierung definieren. Trennzeichen, Leerzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung auf eine Suchform bringen und die Rohform daneben aufbewahren.
- Index erweitern. Die Fremdnummern als eigenes Feld in den Suchindex aufnehmen und höher gewichten als Beschreibungstexte.
- Rückweg herstellen. Die Nummer durch Warenkorb, Auftragsbestätigung, Lieferschein und Rechnung durchreichen, sonst endet der Nutzen an der Trefferliste.
- Pflege übergeben. Selbstpflege im Kundenkonto freischalten und Änderungen protokollieren, damit die Zuordnung nachvollziehbar bleibt.
Der Katalogaustausch ist der schnellste Hebel
Von der Suche bis zur Rechnung
Der Nutzen endet nicht an der Trefferliste. Die Fremdnummer muss durch die gesamte Belegkette laufen, weil der Einkäufer sie auf jedem Dokument wiederfinden will. Die europäische elektronische Rechnung sieht dafür zwei getrennte, genormte Felder vor: BT-155 (OpenPeppol) trägt die vom Verkäufer vergebene Kennung, BT-156 (OpenPeppol) die vom Käufer vergebene. Beide sitzen in der Rechnungsposition und sind je Position einmal belegbar. Wer die Nummer im Shop führt, sie aber nicht in den Rechnungsausgang durchreicht, verschenkt genau die Stelle, an der sie den größten manuellen Aufwand spart. Dieselbe Durchreichung betrifft jedes Belegfeld: Wie Belege und Artikelzeilen an die Buchhaltung übergeben werden, folgt derselben Zuordnungslogik.
Der Zeitdruck kommt von der Umstellung auf strukturierte Rechnungen. Papier und einfache Bilddateien sind im Geschäft zwischen Unternehmen eine Übergangslösung, und die Übergangsfrist ist gestaffelt: Für Umsätze, die vor dem 1. Januar 2027 ausgeführt werden, darf jedes Unternehmen bis zum 31. Dezember 2026 (Bundesministerium der Justiz) weiter auf Papier abrechnen oder – mit Zustimmung des Empfängers – in einem elektronischen Format, das der Norm nicht entspricht; eine Umsatzgrenze gibt es dafür nicht. Erst für Umsätze, die nach dem 31. Dezember 2026 ausgeführt werden, ist dieser Weg an einen Gesamtumsatz von höchstens 800.000 Euro (Bundesministerium der Justiz) im vorangegangenen Kalenderjahr gebunden – und für Rechnungen, die per elektronischem Datenaustausch nach der Empfehlung 94/820/EG übermittelt werden, gilt im selben Zeitraum eine eigene Ausnahme ohne Umsatzgrenze (Bundesministerium der Justiz). Auch die Ausstellung selbst ist fristgebunden: Die Rechnung ist innerhalb von sechs Monaten (Bundesministerium der Justiz) nach Ausführung der Leistung auszustellen. Wer die Umstellung ohnehin plant, verankert die Fremdnummer im selben Zug; wie das mit der Pflicht zur E-Rechnung zusammenspielt, ist ein eigener Bauabschnitt.
Dass Nummern maschinell ankommen, ist im Geschäftskundenverkehr der Normalfall und nicht die Ausnahme. Fast die Hälfte der Industriebetriebe mit elektronischem Verkauf nimmt Bestellungen über EDI entgegen: 46,04 Prozent (Eurostat) im Berichtsjahr 2024, erhoben unter Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Im Groß- und Einzelhandel stammen 10,51 Prozent (Eurostat) des Gesamtumsatzes aus EDI-Verkäufen. Über alle Branchen hinweg kommt sogar mehr Umsatz über EDI herein als über Websites und Apps: 11,07 Prozent (Eurostat) gegenüber 8,39 Prozent. Der Shop steht damit neben einer Strecke, die die Kundennummer längst kennt, und sollte dieselbe Zuordnungslogik verwenden, statt eine zweite daneben zu bauen. Wie eng beide Wege gekoppelt werden, hängt an der EDI-Anbindung über EDIFACT.
Was der Einkauf davon hat
Der Onlinekanal im Geschäftskundenhandel ist groß genug, dass sich die Mühe rechnet. Großhandel und Hersteller in Deutschland setzten über Onlineshops und Marktplätze 476 Milliarden Euro (ECC KÖLN) um, gemessen für das Berichtsjahr 2023; der gesamte B2B-E-Commerce einschließlich EDI lag im selben Zeitraum bei 1,4 Billionen Euro (ECC KÖLN). Knapp acht von zehn Unternehmen betreiben ein digitales Kundenportal: 78 Prozent (ECC KÖLN) der befragten Hersteller und Großhändler. Genau dort erwartet ein Einkäufer, seine eigenen Nummern wiederzufinden, und genau dort entscheidet sich, ob er den Kanal ein zweites Mal benutzt.
Die Nachfrageseite bestätigt das Bild. In einer Befragung von 308 Beschaffenden aus Industrieunternehmen stuften 79 Prozent (ECC KÖLN) ein Kundenportal als besonders relevant ein, auf Anbieterseite waren es 78 Prozent. 84 Prozent (ECC KÖLN) der befragten Industrieunternehmen halten es für möglich, das gesamte Tagesgeschäft im Einkauf zu digitalisieren, und rund 80 Prozent (ECC KÖLN) der befragten Herstellerunternehmen erwarten, dass die deutsche Industrie in naher Zukunft verstärkt über Onlinekanäle einkauft. Die Nummernpflege ist dabei kein Randthema, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Bestellvorschlag aus dem ERP ohne Zwischenschritt im Warenkorb landet.
Auch europaweit verschiebt sich der Anteil langsam, aber stetig: Der Anteil der Unternehmen mit elektronischen Verkäufen stieg von 18,93 Prozent im Jahr 2014 auf 23,59 Prozent (Eurostat) im Jahr 2024. Der Geschäftskundenkanal ist dabei kein Nebenschauplatz, im Gegenteil: 4,34 Prozent (Eurostat) des Gesamtumsatzes stammen aus Webverkäufen an Unternehmen und öffentliche Auftraggeber, gegenüber 4,04 Prozent aus Verkäufen an Privatkunden. Wer Preise, Sortimente und Nummern kundengenau ausspielt, bedient damit den größeren der beiden Webkanäle; die dazugehörige Preissynchronisation im B2B folgt derselben Mandantenlogik wie die Nummernpflege.
Was Maschinen von der Suche sehen
Ein Randaspekt mit Folgen: Die interne Suche eines Shops ist für Maschinen meist unsichtbar. Nur 28 Prozent (Web Almanac) der untersuchten Startseiten beschreiben ihre eigene Suchfunktion maschinenlesbar, gemessen im Crawl vom Juli 2025 über gut 16 Millionen Websites. Strukturierte Daten überhaupt liefern 50 Prozent (Web Almanac) der Startseiten aus. Für Kundenartikelnummern ist das ausdrücklich kein Auftrag zur Veröffentlichung: Fremdnummern gehören hinter die Anmeldung. Die maschinenlesbare Beschreibung betrifft die öffentliche Suche und die öffentlichen Produktkennungen, nicht die kundengebundenen. Diese Trennung sauber zu ziehen, ist Teil jeder Schnittstellenentwicklung, die beides in einem System hält.
Praktisch heißt das: Die öffentliche Produktseite trägt Hersteller- und EAN-Nummer, die kundengebundene Ansicht zeigt zusätzlich die eigene Nummer des angemeldeten Kunden, und der Auslieferungspfad für Suchmaschinen sieht die zweite Ebene nicht. Das lässt sich mit einer Abfrage prüfen, die ohne Anmeldung gegen den Suchendpunkt läuft und deren Trefferzahl null bleiben muss. Diese Prüfung gehört in die Abnahme und nicht in die Hoffnung, denn der Fehler ist von außen kaum sichtbar: Er zeigt sich erst, wenn ein Kunde seine Nummer im Index eines Wettbewerbers wiederfindet.
Schrittfolge für die Einführung
Die Reihenfolge ist wichtiger als die Werkzeugwahl. Wer mit dem Suchmodul beginnt, baut eine Gewichtung für Daten, die es noch nicht gibt; wer mit der Belegkette beginnt, reicht Felder durch, die niemand füllt. Sinnvoll ist der Weg von der Zuordnungstabelle über den Index zur Anzeige und erst danach in die Belege. Die folgende Liste eignet sich als Abnahmeraster für den ersten Ausbauschritt und lässt sich in einer Sitzung mit Einkauf, Vertriebsinnendienst und IT durchgehen.
- Zuordnungstabelle mit Kunde, Artikel, Nummer, Typ, Gültigkeit und Quelle angelegt
- Mehrfachbelegung je Kunde möglich, Rangfolge der Quellen schriftlich festgelegt
- Normalisierte Suchform neben der Rohform gespeichert und im Index höher gewichtet
- Trefferliste zeigt die Nummer des Kunden neben der eigenen Artikelnummer
- Rechteprüfung sitzt in der Abfrage, nicht in der Anzeige
- Nummer läuft durch Warenkorb, Auftragsbestätigung, Lieferschein und Rechnung
- Selbstpflege im Kundenkonto mit Protokoll der Änderungen freigeschaltet
- Massenupload von Bestelllisten erkennt Fremdnummern ohne vorherige Zuordnung
- Abfrage ohne Anmeldung liefert null Treffer auf eine bekannte Fremdnummer
Die Version 1.0 des Standards mit dem Namen "BMEcat" wurde im November 1999 in Frankfurt verabschiedet.
Der Aufwand für den ersten Ausbauschritt bleibt überschaubar, wenn die Fremdnummern im ERP bereits gepflegt werden: Dann sind es eine Tabelle, ein Importlauf, ein Indexfeld und vier Belegvorlagen. Aufwendiger wird es, wenn die Nummern erst erhoben werden müssen; dafür eignet sich die Bestellhistorie als Startbestand, den der Kunde im Portal bestätigt. Welche der beiden Ausgangslagen vorliegt, klärt ein Blick in die Kunden-Artikel-Tabelle des ERP – und dieser Blick steht am Anfang jeder Planung, die wir in unseren Leistungen für Großhandel und Hersteller aufsetzen.
Quellen und Studien
Verwandte Artikel
EUDR ab Dezember 2026: Sorgfaltsdaten aus dem ERP
Ab dem 30. Dezember 2026 braucht jede Sendung eine Sorgfaltserklärung. Welche Felder das ERP dafür führen muss und wie die Referenznummer bis zum Zoll kommt.
Variantenartikel aus dem ERP sauber im Shop abbilden
Merkmalsachsen, Variantenmatrix und Artikelnummern: wie aus Farbe, Größe und Ausführung im ERP eine belastbare Variantenstruktur im Shop wird, nach GS1-Regeln.
Mengeneinheiten und Gebinde aus dem ERP sauber abbilden
Basis-, Lager-, Verkaufs- und Bestelleinheit trennen, Umrechnungsfaktoren aus dem ERP ziehen und Bestände, Mindestmengen sowie Grundpreise sauber abbilden.