Zum Inhalt springen
Shop-Integration & Prozesse

Zeitumstellung: Zeitstempel in ERP-Schnittstellen prüfen

In der Umstellungsnacht erscheint eine Stunde zweimal. Wie Zeitstempel, Deltaabfragen und Zeitpläne zwischen Shop und ERP eindeutig bleiben – mit Prüfplan.

15 Min. Lesezeit ZeitzonenDatenqualitätSchnittstellenERP-AnbindungB2B

In der Nacht zum letzten Sonntag im Oktober bekommt jede Schnittstelle zwischen Shop und Warenwirtschaft eine Stunde geschenkt, die keiner bestellt hat. Die Stundenzählung geht von 3 Uhr auf 2 Uhr zurück, und die Stunde von 2 bis 3 Uhr erscheint zweimal (Bundesministerium der Justiz). Für den Kalender ist das eine Fußnote. Für eine Deltaabfrage, die alle seit dem letzten Lauf geänderten Aufträge holt, ist es ein Datenfehler ohne Fehlermeldung: Ein Lauf zieht dieselben Belege zweimal, ein anderer überspringt sie, und beide melden Erfolg. Dieser Artikel zeigt, wo in einer ERP-Anbindung Zeitstempel entstehen, welche Felder einen Offset tragen müssen und mit welchem Prüfplan sich die Nacht vorbereiten lässt. Wer ERP und Shop im Großhandel verbindet, entscheidet an dieser Stelle, ob die Umstellung ein Termin im Kalender bleibt oder ein Vorfall im Support wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die mitteleuropäische Sommerzeit endet am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr, die Stundenzählung geht auf 2 Uhr zurück, und die Stunde von 2 bis 3 Uhr erscheint zweimal (Bundesministerium der Justiz).
  • Die Verordnung benennt die beiden Stunden ausdrücklich mit 2A und 2B (Bundesministerium der Justiz) – ein lokaler Zeitstempel ohne Offset kann sie nicht auseinanderhalten.
  • Die europäische Regelung legt den Umschaltpunkt auf 1 Uhr morgens Weltzeit (Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union); alle Mitgliedstaaten schalten damit im selben Moment.
  • Der Internetstandard RFC 3339 empfiehlt für die Zusammenarbeit über Systemgrenzen die koordinierte Weltzeit (RFC Editor), weil sich örtliche Regeln zu unvorhersehbaren Zeitpunkten ändern können.
  • Deltaabfragen und Zeitpläne gehören auf Weltzeit umgestellt: Sonst liest ein Lauf die doppelte Stunde zweimal, und im Frühjahr fragt ein Lauf nach einer Uhrzeit, die es an dem Tag nicht gibt.
  • Der Zonendatenstand ist eine Abhängigkeit mit Datum: Zwischen Januar 2025 und Juli 2026 sind sechs Datenstände der Zeitzonendatenbank erschienen (IANA).

Was in der doppelten Stunde wirklich passiert

Die Umstellung ist kein Sprung der Zeit, sondern ein Sprung der Beschriftung. Die koordinierte Weltzeit läuft ohne Unterbrechung weiter; was sich ändert, ist der Abstand, mit dem die lokale Uhr auf sie zeigt. Die gesetzliche Zeit in Deutschland ist die mitteleuropäische Zeit, bestimmt durch die koordinierte Weltzeit unter Hinzufügung einer Stunde (Bundesministerium der Justiz); während der Sommerzeit sind es zwei Stunden (Bundesministerium der Justiz). Im Oktober fällt dieser Abstand von zwei auf eine Stunde, im März steigt er zurück.

Daraus entstehen zwei Sonderfälle, die in einer Schnittstelle unterschiedlich wehtun. Im Oktober gehört eine Ortszeit zu zwei verschiedenen Zeitpunkten: 2:30 Uhr gibt es zweimal, einmal mit dem Offset +02:00 und einmal mit +01:00. Im März gehört eine Ortszeit zu gar keinem Zeitpunkt, weil die Stundenzählung von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt wird (Bundesministerium der Justiz) – 2:30 Uhr existiert an diesem Tag nicht. Ein Feld vom Typ Datum-und-Uhrzeit ohne Zonenangabe kann den ersten Fall nicht auflösen und den zweiten nicht zurückweisen. Es nimmt beide Werte an und reicht sie weiter, wie sie hereingekommen sind.

Ereigniszeit im Shop

Bestelleingang, Zahlungsbestätigung und Statuswechsel entstehen im Browser des Kunden, im Zahlungsprozess und im Shop selbst – drei Uhren, die im Zweifel unterschiedlich gehen. Zählt die Reihenfolge, ist die Serverzeit in Weltzeit der belastbare Wert, nicht die Anzeige im Konto.

Buchungszeit im ERP

Die Warenwirtschaft schreibt Änderungszeitstempel an Artikel, Preise und Belege. Ob dort Weltzeit oder Ortszeit steht, entscheidet die Konfiguration der Datenbank und nicht die Schnittstelle – deshalb gehört diese Frage vor dem ersten Import beantwortet.

Laufzeit der Schnittstelle

Jeder Lauf hat einen Startzeitpunkt, einen Hochwasserstand der zuletzt gelesenen Änderung und ein Fenster im Zeitplan. Diese drei Werte sind Betriebsdaten, keine Fachdaten, und sie gehören durchgehend in Weltzeit geführt.

Die Regel, die den Zeitpunkt setzt

Der Termin steht in zwei Texten, die dasselbe meinen und es verschieden ausdrücken. Die deutsche Sommerzeitverordnung formuliert es aus Sicht der Uhr im Betrieb: Die mitteleuropäische Sommerzeit endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (Bundesministerium der Justiz), und sie beginnt am letzten Sonntag im März um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit (Bundesministerium der Justiz). Sie geht dabei einen Schritt weiter als jede Schnittstellendokumentation und gibt den beiden Oktoberstunden Namen: Die erste Stunde wird mit 2A und die zweite mit 2B bezeichnet (Bundesministerium der Justiz).

Die europäische Richtlinie 2000/84/EG legt denselben Moment in Weltzeit fest: Ab dem Jahr 2002 endet die Sommerzeit in jedem Mitgliedstaat am letzten Sonntag im Oktober um 1 Uhr morgens Weltzeit (Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union). Der Unterschied ist für eine Schnittstelle wichtiger, als er aussieht: In Weltzeit ausgedrückt ist der Umschaltpunkt für alle Mitgliedstaaten derselbe Augenblick, in Ortszeit ausgedrückt liegt er in Lissabon, Berlin und Helsinki auf drei verschiedenen Ziffernblättern. Wer Partner in mehreren Zeitzonen anbindet, plant den Wartungsstopp deshalb in Weltzeit und übersetzt ihn erst für die Ankündigung.

Den Wartungsstopp in Weltzeit planen

Ein Zeitfenster, das in Ortszeit vereinbart ist, verschiebt sich in der Umstellungsnacht gegen sich selbst. Legen Sie den Stopp der Schnittstelle stattdessen in Weltzeit fest – etwa von 22:30 bis 02:30 Uhr UTC – und rechnen Sie ihn nur für die Ankündigung an Kunden und Lieferanten in die Ortszeit um. In der Middleware hinterlegen Sie dasselbe Fenster als Sperre, damit ein Lauf, der zu früh startet, ohne Datenänderung endet.

Weltzeit speichern, lokal anzeigen

Die belastbare Aufteilung ist alt, und sie hält: Ein Zeitpunkt wird in koordinierter Weltzeit gespeichert, in Weltzeit übertragen und erst in der Anzeige in die Zone des Betrachters umgerechnet. Der Internetstandard RFC 3339 begründet das mit der Sache selbst: Weil die Regeln für die Sommerzeit verwickelt sind und sich durch örtliches Recht zu unvorhersehbaren Zeitpunkten ändern können, empfiehlt er für echte Zusammenarbeit über Systemgrenzen die koordinierte Weltzeit (RFC Editor). Das ist keine Stilfrage, sondern die Zusicherung, dass ein Wert auch dann noch denselben Zeitpunkt bezeichnet, wenn ein anderes Land seine Regel ändert.

Diese Regel hat eine Ausnahme, die man kennen muss, sonst baut man sie falsch: Wandzeiten sind keine Zeitpunkte. Ein Abholtermin am Lager um 8 Uhr, eine Angebotsfrist zum Monatsende und ein Liefertag hängen am Kalender, nicht an einer Sekunde auf der Weltzeitachse. Wer solche Werte in Weltzeit umrechnet und als Zeitpunkt speichert, verschiebt sie bei der nächsten Umstellung um eine Stunde. Sie gehören als Datum, als Uhrzeit oder als Uhrzeit mit Zonennamen abgelegt – und der Zonenname gehört dazu, sonst weiß der zweite Standort nicht, wessen 8 Uhr gemeint sind.

  • Zeitpunkt eines Ereignisses – Bestelleingang, Statuswechsel, Buchung, Versandmeldung: in Weltzeit speichern, mit Offset übertragen, erst in der Anzeige umrechnen.
  • Hochwasserstand einer Deltaabfrage – der Zeitstempel der zuletzt gelesenen Änderung: ausschließlich in Weltzeit, ohne Anzeigeformat und ohne Rundung auf volle Minuten.
  • Fenster eines geplanten Laufs – Start, Dauer und Sperrzeit: in Weltzeit festgelegt, in der Oberfläche in Ortszeit erklärt.
  • Liefer- und Abholtermin – ein Kalendertag mit Uhrzeit am Standort: als Ortszeit mit Zonennamen speichern, damit die Umstellung ihn stehen lässt.
  • Frist aus einer Vereinbarung – das Ende einer Angebots- oder Abruffrist, wie sie bei Abrufen aus Rahmenverträgen vereinbart wird: mit der Zone, die im Vertrag steht, und mit einer klaren Regel für den letzten Moment des Tages.
  • Protokollzeile – jede Zeile in Weltzeit, damit sich zwei Systeme im Fehlerfall überhaupt vergleichen lassen; wie das im Betrieb aussieht, steht in der Observability für Schnittstellen.

Offset im Feld: was ein Zeitstempel tragen muss

Ein Zeitstempel ohne Zonenangabe ist eine Zahl mit einer fehlenden Fußnote. Das Format nach RFC 3339 – die im Internet gebräuchliche Ausprägung von ISO 8601, die laut Standard in neuen Protokollen verwendet werden sollte (RFC Editor) – schreibt den Versatz als Vorzeichen mit Stunden und Minuten hinter die Uhrzeit. Die Vorzeichenregel steht dort ausdrücklich: Numerische Offsets werden als Ortszeit minus Weltzeit berechnet (RFC Editor). Ein Wert mit +02:00 liegt also zwei Stunden vor der Weltzeit; wer ihn zurückrechnet, zieht ab.

Für die Umstellungsnacht folgt daraus die entscheidende Eigenschaft: Zwei Zeitstempel mit derselben Ortszeit, aber verschiedenem Offset, bezeichnen zwei verschiedene Zeitpunkte – und jedes System kann sie sortieren, vergleichen und in Weltzeit zurückrechnen. Fehlt der Offset, bleibt eine Zeichenkette mit zwei Bedeutungen, deren Reihenfolge sich nachträglich nicht wiederherstellen lässt. Der Standard hat sogar für den Fall vorgesorgt, dass die Weltzeit bekannt ist, der Versatz zur Ortszeit aber unbekannt: Ist die Zeit in Weltzeit bekannt, der Offset zur Ortszeit aber unbekannt, kann das mit einem Offset von -00:00 dargestellt werden (RFC Editor). Wer diesen Wert in einer Nachricht sieht, weiß, dass eine Angabe fehlt – sie fehlt wenigstens sichtbar.

auftrag-ereignis.json
{
  "event_id": "evt-8f2c41",
  "event_type": "order.status_changed",
  "occurred_at": "2026-10-25T00:30:00Z",
  "occurred_at_local": "2026-10-25T02:30:00+02:00",
  "local_timezone": "Europe/Berlin",
  "tzdata_version": "2026c",
  "order": {
    "id": "AB-4711",
    "status": "released"
  },
  "delivery_date": "2026-10-27",
  "pickup_window": {
    "date": "2026-10-27",
    "time": "08:00",
    "timezone": "Europe/Berlin"
  }
}

Drei Dinge fallen an diesem Ereignis auf. Der führende Wert ist die Weltzeit; die Ortszeit steht als abgeleitete Information daneben und ist an ihrem Offset erkennbar. Der Zonenname wird mitgeliefert, weil er die Regel benennt, nach der umgerechnet wurde, und der Datenstand der Zonenregeln steht daneben. Der Abholtermin dagegen bleibt ein Kalendertag mit einer Uhrzeit und einer Zone, weil er ein Termin am Lager ist und kein Punkt auf der Weltzeitachse.

Der Zonenname ersetzt den Offset nicht

Europe/Berlin sagt, nach welcher Regel gerechnet wird, aber nicht, welche der beiden Oktoberstunden gemeint ist. Erst der Offset trennt 2A von 2B. Übertragen Sie deshalb beides: den Zeitpunkt in Weltzeit als führenden Wert und den Zonennamen als Angabe, wie die Anzeige entsteht. Wer nur den Zonennamen überträgt und die Umrechnung dem Empfänger überlässt, verlagert das Problem in ein System, dessen Datenstand der Zonenregeln er nicht kennt.

Deltaabfragen: der Fehler ohne Fehlermeldung

Die meisten Anbindungen holen Änderungen nicht als Ereignisstrom, sondern als Abfrage: Gib mir alles, was sich seit dem Zeitpunkt X geändert hat. Der Zeitpunkt X stammt aus dem letzten Lauf, das Feld im ERP heißt sinngemäß geändert-am, und solange beide dieselbe Zeitachse benutzen, geht das gut. In der Umstellungsnacht geht es auf zwei Weisen schief, und beide Wege bleiben still – kein Abbruch, kein Eintrag im Fehlerprotokoll, nur ein anderer Datenbestand als erwartet.

Im Oktober läuft die Ortszeit eine Stunde doppelt. Ein Lauf, der seinen Hochwasserstand in Ortszeit führt, liest die Stunde 2A, merkt sich 2:59 Uhr und liest in der Stunde 2B alles noch einmal, was zwischen 2:00 und 2:59 Uhr geschrieben wurde. Im Frühjahr fehlt die Stunde: Wer in der Anwendung eine Sicherheitsspanne von einer Stunde abzieht, um Uhrenversatz auszugleichen, fragt nach einem Zeitpunkt, den es an diesem Tag nicht gibt, und bekommt je nach Bibliothek eine stille Verschiebung oder einen Abbruch. Doppelt gelesene Datensätze sind dabei der harmlosere Fall, solange die Verarbeitung idempotent ist; übersprungene Datensätze fallen erst auf, wenn ein Kunde nach seinem Auftrag fragt.

delta-abfrage.sql
-- Die Zeitachse der Abfrage ist Weltzeit, unabhängig von der Sitzungszeitzone
SET time_zone = '+00:00';

SELECT o.order_no, o.changed_at_utc, o.status
FROM erp_orders o
WHERE o.changed_at_utc >  :last_watermark_utc
  AND o.changed_at_utc <= :run_started_utc
ORDER BY o.changed_at_utc, o.order_no;

-- Der neue Hochwasserstand ist der größte gelesene Änderungszeitstempel,
-- nicht die Uhr des Anwendungsservers und nicht die Startzeit des Laufs.
Terminal
$ curl -s '/api/sync/watermark?connector=erp-orders' | jq
{ "connector": "erp-orders", "last_watermark_utc": "2026-10-25T00:59:58Z", "last_run_started_utc": "2026-10-25T01:00:04Z", "source_time_axis": "utc", "tzdata_version": "2026c" }
$ curl -s '/api/sync/audit?window=umstellungsnacht' | jq
{ "records_read": 1284, "duplicates_suppressed": 0, "gap_candidates": [], "ambiguous_local_timestamps": 0, "status": "clean" }

Geplante Läufe in der Nacht der Umstellung

Ein Zeitplan, der in Ortszeit formuliert ist, kennt die doppelte Stunde nicht. Ein Lauf um 2:30 Uhr startet im Oktober zweimal und fällt im März aus. Bei einem Abgleich, der ohnehin jede Viertelstunde läuft, ist das folgenlos. Bei einem Lauf, der einmal pro Nacht Bestände überträgt, Rechnungen erzeugt oder eine Datei an einen Partner schickt, ist es ein doppelter oder ein fehlender Vorgang – und beides zeigt sich erst am Montagmorgen.

  1. Alle Zeitpläne auf Weltzeit umstellen und die Ortszeit nur noch in der Beschreibung des Plans führen.
  2. Läufe zwischen 0:00 und 2:00 Uhr Weltzeit in der Umstellungsnacht meiden; wer sie braucht, gibt ihnen eine Sperre gegen den Doppelstart.
  3. Jedem Lauf eine Kennung mit seinem Zeitfenster geben, damit ein zweiter Start desselben Fensters ohne Wirkung endet.
  4. Den Hochwasserstand nach jedem Lauf aus dem größten gelesenen Änderungszeitstempel setzen, nicht aus der Uhr des Servers.
  5. Läufe mit fester Reihenfolge verketten, statt sie auf Uhrzeiten zu verteilen: Der Nachfolger startet auf das Ergebnis des Vorgängers.
  6. Für diese Nacht ein Protokoll schreiben, das Weltzeit und Ortszeit nebeneinander führt, damit sich der Ablauf am Morgen ohne Kopfrechnen prüfen lässt.

Zwei Läufe, ein Fenster

Ein Lauf, der sein Zeitfenster als Kennung mitführt, ist gegen die doppelte Stunde unempfindlich: Startet er ein zweites Mal mit demselben Fenster, findet er den vorhandenen Eintrag, beendet sich und schreibt eine Zeile ins Protokoll. Das ist derselbe Gedanke, der auch Wiederholungen nach Übertragungsfehlern beherrschbar macht – nur dass der Auslöser hier kein Netzfehler ist, sondern der Kalender.

Die Zeitzonendatenbank ist eine Abhängigkeit

Welcher Offset an welchem Datum gilt, steht in keiner Formel, sondern in einer Tabelle. Betriebssysteme, Laufzeitumgebungen und Datenbanken lesen diese Tabelle aus der Zeitzonendatenbank, die bei der Internet Assigned Numbers Authority gepflegt wird. Sie ändert sich, sobald ein Land seine Regel ändert – und das geschieht häufiger, als es die Ruhe in Mitteleuropa vermuten lässt. Zwischen Januar 2025 und Juli 2026 sind sechs Datenstände erschienen (IANA).

Ein Beispiel aus dem laufenden Jahr zeigt die Vorlaufzeit: Der Datenstand 2026c vom 8. Juli 2026 kündigt den Wechsel Marokkos auf einen dauerhaften Offset von +00:00 zum 20. September 2026 an (IANA). Wer Termine oder Fristen mit Partnern dort abstimmt, braucht diesen Datenstand in jedem beteiligten System: im Anwendungsserver, in der Datenbank und in der Middleware. Ein System, das mit einem älteren Stand rechnet, liefert eine plausible, aber verschobene Ortszeit; nichts daran sieht nach einem Fehler aus. Deshalb gehört der Zonendatenstand in die Auslieferung wie eine Programmbibliothek – und in die Testumgebung, bevor er in den Betrieb geht.

FeldTyp und SpeicherungWas in der Umstellungsnacht geschieht
BestelleingangZeitpunkt in WeltzeitBleibt eindeutig, die Reihenfolge bleibt erhalten
Änderungszeitstempel im ERPZeitpunkt in WeltzeitDie Deltaabfrage liest jede Änderung genau einmal
Änderungszeitstempel in OrtszeitDatum und Uhrzeit ohne ZoneEine Stunde ist zweideutig, im März fehlt eine Stunde
LieferterminKalendertag ohne UhrzeitUnverändert, weil kein Zeitpunkt gemeint ist
Abholfenster am LagerUhrzeit mit ZonennamenBleibt 8 Uhr vor Ort, der Offset wandert mit
Fenster eines LaufsStart in Weltzeit mit FensterkennungEin zweiter Start im selben Fenster endet ohne Wirkung

Was der Kunde in der Anzeige sieht

Im Kundenkonto zählt nicht die Speicherung, sondern die Erklärung. Ein Auftragsstatus mit der Angabe 2:30 Uhr ist in der Umstellungsnacht doppeldeutig, derselbe Status mit 2:30 Uhr (MESZ) ist es nicht. Die Kürzel MEZ und MESZ leisten in der Anzeige, was der Offset im Datenformat leistet: Sie benennen die Stunde. Für Bestellschluss- und Abholzeiten gilt dasselbe, sobald Kunden aus mehr als einem Land bestellen. Wie ein Konto Statuswerte aus dem ERP übernimmt, ohne den Zeitbezug zu verlieren, beschreibt der Beitrag zum Auftragsstatus im B2B-Kundenkonto.

Zwei Anzeigen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil an ihnen Zusagen hängen. Ein Bestellschluss für den Versand am selben Tag ist eine Frist: Wird er in Ortszeit angezeigt und in Weltzeit geprüft, muss die Umrechnung dieselbe Regel benutzen wie die Anzeige – bei Sendungen mit Gefahrgutbezug hängen daran zusätzlich Papiere und Abholfenster. Und ein Countdown, der im Browser läuft, rechnet mit der Zone des Geräts, nicht mit der des Lagers; er zeigt einem Kunden in einer anderen Zeitzone eine andere Restzeit an, als der Server sie kennt. Beide Fälle löst man, indem der Server den Endzeitpunkt in Weltzeit liefert und die Anzeige ihn übersetzt.

Was gilt und was offen ist

Die Frage, ob die halbjährliche Umstellung bleibt, wird seit Jahren diskutiert. Die Europäische Kommission führte dazu im Sommer 2018 eine öffentliche Konsultation durch. Obwohl der Konsultationszeitraum kürzer war als der übliche Zeitraum von zwölf Wochen, gingen rund 4,6 Millionen Antworten ein, 99 Prozent davon von Bürgerinnen und Bürgern (Europäische Kommission). 84 Prozent aller Befragten sprachen sich für die Abschaffung der zweimal jährlich stattfindenden Zeitumstellung aus, 16 Prozent wollen sie beibehalten (Europäische Kommission). Eine offene Konsultation befragt allerdings keine gezogene Stichprobe, sondern jene, die von sich aus antworten – die Zahlen beschreiben die Teilnehmer, nicht die Bevölkerung.

Für die Praxis in einer Schnittstelle folgt daraus eine schlichte Konsequenz: Maßgeblich ist die Regel, nach der die Uhren heute gestellt werden, und die steht in der Sommerzeitverordnung und in der Richtlinie 2000/84/EG. Ändert sich eine Zeitregel, erreicht die Änderung die Systeme über einen neuen Datenstand der Zeitzonendatenbank und nicht über eine Nachricht im Posteingang. Eine Anbindung, die Zeitpunkte in Weltzeit führt und die Umrechnung an einer einzigen Stelle vornimmt, übersteht das mit einem Aktualisierungsschritt; eine Anbindung, die Ortszeiten durch fünf Systeme reicht, braucht dafür ein Projekt. Es ist derselbe Hebel wie bei der Auflösung von Datenkonflikten im beidseitigen Abgleich: Wer eine führende Quelle bestimmt, muss später weniger schlichten.

Die Stunde von 2 Uhr bis 3 Uhr erscheint dabei zweimal.

Sommerzeitverordnung, § 2 Absatz 2 (Bundesministerium der Justiz)

Der Prüfplan vor dem letzten Oktoberwochenende

Die Prüfung braucht keine große Testlandschaft, aber sie braucht einen Termin vor der Nacht. Ein Durchlauf mit vorgestellter Systemzeit in einer Kopie der Umgebung zeigt in einer halben Stunde, was sonst am Montagmorgen sichtbar wird. Wichtig ist, dass die Kopie denselben Zonendatenstand benutzt wie der Betrieb, sonst prüft man eine andere Regel als die, die später gilt. Wer die Vorbereitung ohnehin plant, hängt sie an die Vorbereitung für Inventur und Jahreswechsel – die Fragen an die Zeitachse sind dieselben.

  • Jedes Zeitfeld der ausgetauschten Nachrichten trägt einen Offset oder einen Zonennamen, und seine Bedeutung ist im Schnittstellenvertrag festgehalten.
  • Der Hochwasserstand jeder Deltaabfrage steht in Weltzeit und wird aus dem größten gelesenen Änderungszeitstempel gesetzt.
  • Alle geplanten Läufe der Nacht sind in Weltzeit terminiert und tragen eine Fensterkennung gegen den Doppelstart.
  • Der Zonendatenstand ist in Anwendungsserver, Datenbank und Middleware derselbe und in der Auslieferung dokumentiert.
  • Ein Probelauf mit vorgestellter Systemzeit über die Umstellungsnacht ist erfolgt, das Protokoll gelesen, doppelte und fehlende Datensätze sind gezählt.
  • Anzeigen mit Fristbezug nennen die Zeitzone, und der Server liefert den maßgeblichen Endzeitpunkt in Weltzeit.

Bleibt am Ende ein Befund offen, ist die Reihenfolge klar: zuerst die Deltaabfragen, dann die Zeitpläne, dann die Anzeige. Die ersten beiden erzeugen Daten, die dritte erzeugt Rückfragen – und Daten lassen sich schwerer nachbessern als eine Beschriftung. Für die Umsetzung in einer bestehenden Anbindung führen dieselben Wege wie beim Aufbau: über eine geordnete API-Entwicklung oder über die Anbindung der Warenwirtschaft, je nachdem, an welcher Stelle die Zeitachse heute bricht.

Quellen und Regelwerke

Dieser Artikel basiert auf Daten aus: der Sommerzeitverordnung (§ 2) und dem Einheiten- und Zeitgesetz (§ 4) in der auf dem Portal des Bundesministeriums der Justiz veröffentlichten Fassung, der Richtlinie 2000/84/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Regelung der Sommerzeit in der beim Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union hinterlegten Fassung, dem Vorschlag COM(2018) 639 der Europäischen Kommission mit den dort berichteten Ergebnissen der öffentlichen Konsultation vom 4. Juli bis 16. August 2018, dem Internetstandard RFC 3339 in der Fassung des RFC Editor sowie den Veröffentlichungen der Zeitzonendatenbank der Internet Assigned Numbers Authority. Alle genannten Werte beziehen sich auf den Stand der jeweiligen Veröffentlichung.

Verwandte Artikel

Shop-Integration & Prozesse

Teillieferungen und Teilrechnungen im B2B-Shop steuern

Teillieferungen und Teilrechnungen zwischen Shop, Middleware und Warenwirtschaft: Datenmodell, Restmenge, Belegverweise und Felder der elektronischen Rechnung.

15 Min. Lesezeit
ERP- & Warenwirtschaft

Mengeneinheiten und Gebinde aus dem ERP sauber abbilden

Basis-, Lager-, Verkaufs- und Bestelleinheit trennen, Umrechnungsfaktoren aus dem ERP ziehen und Bestände, Mindestmengen sowie Grundpreise sauber abbilden.

13 Min. Lesezeit
APIs, Middleware & Architektur

ERP-Ausfall: Shop im Notbetrieb verkaufsfähig halten

ERP-Ausfall abfedern: letzte gültige Bestände und Preise mit Altersstempel, gepufferte Bestellungen, konservative Regeln und ein geordneter Wiederanlauf.

13 Min. Lesezeit